WMF Küchenminis Dörrautomat: Kompakt & schick — aber reicht das?
Zuletzt aktualisiert: März 2026 · Lesezeit: ca. 12 Minuten
Ich gebe es zu: Als ich den WMF Küchenminis Dörrautomat ausgepackt habe, war ich zuerst beeindruckt. Schickes Cromargan-Design, kompakte Maße, angenehm leicht — das Gerät sieht aus, als gehörte es in eine Designer-Küche, nicht auf meinen etwas rustikalen Obsthof. Aber Aussehen ist bei einem Dörrautomaten nicht alles. Die entscheidende Frage ist: Wie gut trocknet er?
Und genau das habe ich über mehrere Wochen getestet. Spoiler: Der WMF hat mich in manchen Punkten positiv überrascht — und in anderen ehrlich enttäuscht. Hier kommt mein ungefilterter Praxisbericht.
Inhaltsverzeichnis
Erster Eindruck und Verarbeitung
Der WMF Küchenminis wiegt nur etwa 3 Kilo — da merkt man den Unterschied zu meinem Rommelsbacher DA 900 (fast 8 kg) sofort. Das Gehäuse ist aus gebürstetem Edelstahl (WMF nennt es Cromargan), und die 5 Dörretagen sind aus BPA-freiem Kunststoff.
Die Verarbeitung ist typisch WMF: sauber, hochwertig, durchdacht. Die Etagen rasten sicher aufeinander ein, der Deckel sitzt fest, und das Display mit Touch-Bedienung ist modern und intuitiv. Temperatur und Timer lassen sich in feinen Schritten einstellen — 30 bis 70 °C in 5-Grad-Schritten und Timer bis 24 Stunden.
Das sieht aus wie aus einem Designkatalog. Aber ob es auch so gut funktioniert wie es aussieht, das muss sich erst zeigen.
Im Praxistest: Obst, Jerky, Kräuter
Apfelchips
Mein Standard-Test: Elstar-Apfelscheiben, 3 mm, 60 °C. Beim WMF musste ich allerdings auf 8+2 Stunden verlängern — insgesamt 10 Stunden, bis alle Scheiben gleichmäßig knusprig waren. Das liegt an den nur 300 Watt Leistung und dem Stapelprinzip.
Und hier kommt der Wermutstropfen: Die untersten zwei Etagen waren deutlich schneller fertig als die oberen. Nach 7 Stunden waren unten die Chips perfekt, oben aber noch weich und biegsam. Ich musste die Etagen zweimal umschichten — das ist beim Rommelsbacher nicht nötig.
Beef Jerky
Beim Beef Jerky stößt der WMF an seine Grenzen. 70 °C reichen zwar knapp aus, aber die geringe Leistung von 300 Watt bedeutet, dass das Gerät deutlich länger braucht. Mein Jerky war erst nach 10 bis 11 Stunden fertig — beim Rommelsbacher schaffe ich das in 6 bis 8 Stunden. Für gelegentliches Jerky geht es, für regelmäßiges Fleisch-Dörren würde ich ein stärkeres Gerät empfehlen.
Kräuter
Hier überrascht der WMF positiv. Bei 35 °C und 4 Stunden waren meine Petersilie und mein Oregano perfekt getrocknet. Die niedrige Leistung ist bei Kräutern sogar ein Vorteil — das Gerät überhitzt nicht und die ätherischen Öle bleiben erhalten. Für Kräuterliebhaber ein echtes Plus.
Hundesnacks
Hühnerbruststreifen für Frieda und Oskar habe ich bei 68 °C gedörrt. Es hat funktioniert, aber eben langsamer als erwartet. Nach 9 Stunden waren die Streifen durch. Meine beiden waren trotzdem begeistert — denen ist es egal, ob der Automat 300 oder 600 Watt hat.
Was mir gefällt
- Design: Der schönste Dörrautomat in meinem Test. In einer offenen Wohnküche macht er richtig was her.
- Lautstärke: Mit nur 42 dB der leiseste im Test. Man kann sich danebenstellen und normal unterhalten.
- Kompakte Maße: Passt auch in kleine Küchen. Lässt sich nach dem Gebrauch gut verstauen.
- Bedienung: Das Touch-Display ist intuitiv und modern. Temperatur und Timer sind schnell eingestellt.
- Timer bis 24 Stunden: Trotz der kleinen Bauweise hat WMF hier nicht gespart.
- Markenqualität: WMF steht für Qualität, und das merkt man. Die Verarbeitung ist tadellos.
Was mich stört
- Nur 300 Watt: Das ist die größte Schwäche. Das Gerät braucht deutlich länger als Geräte mit 500 oder 600 Watt, besonders bei Fleisch und dicken Obstscheiben.
- Ungleichmäßige Trocknung: Als Stapelgerät trocknet die untere Etage schneller als die obere. Umschichten ist Pflicht.
- Kunststoff-Etagen: Für den Preis hätte ich zumindest eine Edelstahl-Option erwartet. Die Kunststoff-Etagen nehmen nach mehreren Fleisch-Durchgängen Gerüche an.
- Nicht erweiterbar: Zusätzliche Etagen gibt es nicht zu kaufen. 5 Etagen sind das Maximum.
- Temperatur nur in 5-Grad-Schritten: Keine stufenlose Regelung — im Alltag meist kein Problem, aber weniger flexibel als der Rommelsbacher.
Für wen lohnt sich der WMF?
Der WMF Küchenminis ist das richtige Gerät für dich, wenn:
- Du gelegentlich dörrst (1-2 Mal pro Woche oder weniger)
- Du vor allem Obst und Kräuter trocknen möchtest
- Dir Design und Optik in der Küche wichtig sind
- Du ein leises Gerät brauchst (offene Wohnküche, Nachtbetrieb)
- Du wenig Platz hast und das Gerät verstauen möchtest
Der WMF ist nicht die beste Wahl, wenn:
- Du regelmäßig größere Mengen dörrst
- Du viel Fleisch dörren willst (Jerky, Hundesnacks)
- Du gleichmäßige Ergebnisse ohne Umschichten möchtest
- Du auf Edelstahl-Einschübe Wert legst
In diesen Fällen empfehle ich den Rommelsbacher DA 900 oder den KLAMER als günstigere Alternative.
Mein Fazit
Der WMF Küchenminis Dörrautomat ist ein gutes Gerät — aber kein großartiges. Er glänzt bei Design, Lautstärke und Verarbeitung, schwächelt aber bei Leistung und Trocknungsgleichmäßigkeit. Für Gelegenheitsdörrer, die vor allem Obst und Kräuter trocknen möchten, ist er eine schöne Wahl. Für ambitionierte Dörrer wie mich reicht er auf Dauer nicht aus.
Wenn du den WMF mit den anderen Geräten vergleichen willst, schau in meinen Dörrautomat Test 2026. Dort findest du alle 8 Geräte im direkten Vergleich. Und wer sich zwischen den Bauarten unsicher ist: Mein Einschub vs. Stapel Vergleich erklärt die Unterschiede im Detail.
WMF Küchenminis Dörrautomat
5 Etagen · 300 W · 30–70 °C · Timer bis 24h · Cromargan-Design
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Häufige Fragen zum WMF Dörrautomat
Für Gelegenheitsdörrer ja. Er überzeugt mit schickem Design, leiser Betriebslautstärke und guter Verarbeitung. Für regelmäßiges Dörren größerer Mengen ist er wegen der geringen Leistung (300 W) weniger geeignet. Mein Testsieger ist der Rommelsbacher DA 900.
Der WMF Küchenminis hat 5 Dörretagen. Zusätzliche Etagen können leider nicht nachgekauft werden.
Grundsätzlich ja — der Temperaturbereich geht bis 70 °C. Allerdings braucht das Gerät wegen der nur 300 Watt deutlich länger (10–11 Stunden statt 6–8). Für regelmäßiges Beef Jerky empfehle ich ein stärkeres Einschubgerät.
Nur etwa 42 dB — der leiseste in meinem Dörrautomat Test. Leiser als die meisten Kühlschränke und ideal für offene Wohnküchen oder Nachtbetrieb.
Für 80–100 Euro bekommt man ein schönes, gut verarbeitetes Gerät für Gelegenheitsdörrer. Wer häufiger dörrt, bekommt mit dem Rommelsbacher DA 900 für 30–50 Euro mehr deutlich mehr Leistung und Kapazität.
Weiterlesen: Dörrautomaten
Weiterführende Quelle: Dörrapparat — Wikipedia