Infrarot Dörrautomat: Lohnt sich die Technik? Mein ehrlicher Ratgeber

Zuletzt aktualisiert: März 2026 · Lesezeit: ca. 8 Minuten

Infrarot-Dörrautomaten werden oft als die Revolution des Dörrens beworben: schonender, schneller, vitaminerhaltender. Klingt toll, aber stimmt das auch? Ich habe mich intensiv mit der Infrarot-Technik beschäftigt, Geräte verglichen und mir eine fundierte Meinung gebildet. Spoiler: Die Wahrheit ist — wie so oft — differenzierter als die Werbung.

Was ist Infrarot-Trocknung?

Bei der Infrarot-Trocknung wird das Dörrgut nicht durch warme Luft getrocknet, sondern durch Infrarotstrahlung. Die Strahlen durchdringen die äußere Schicht des Lebensmittels und erwärmen es von innen heraus — ähnlich wie Sonnenstrahlen die Haut erwärmen.

In der Praxis gibt es zwei Varianten: Reine Infrarot-Geräte (selten und teuer) und Kombi-Geräte, die Infrarot und Heißluft kombinieren (häufiger). Die meisten auf dem Markt erhältlichen Infrarot-Dörrautomaten sind Kombi-Geräte.

Das Prinzip klingt vielversprechend: Weil die Trocknung von innen kommt, soll das Lebensmittel gleichmäßiger und schonender getrocknet werden. Außerdem soll der Prozess schneller gehen, weil die Feuchtigkeit effizienter entweicht.

Infrarot vs. Heißluft: Der Unterschied in der Praxis

Ein klassischer Heißluft-Dörrautomat — wie mein Rommelsbacher DA 900 — bläst warme Luft über die Lebensmittel. Die Luft nimmt die Feuchtigkeit an der Oberfläche auf und transportiert sie ab. Das funktioniert von außen nach innen: Erst trocknet die Oberfläche, dann wandert die Feuchtigkeit aus dem Inneren nach.

Bei Infrarot wirkt die Strahlung gleichzeitig auf Oberfläche und innere Schichten. Theoretisch trocknet das Lebensmittel damit gleichmäßiger. In der Praxis habe ich aber festgestellt, dass der Unterschied bei dünnen Scheiben (3–5 mm) kaum spürbar ist. Bei dickeren Stücken — zum Beispiel ganzen Tomaten oder dicken Fleischstreifen — gibt es einen messbaren Vorteil.

Werner hat die Infrarot-Technik typisch ingenieursmäßig kommentiert: Nett, aber für unsere Apfelringe macht das keinen Unterschied. Und damit hat er in den meisten Fällen recht.

Echte Vorteile der Infrarot-Technik

Ich will fair sein — es gibt echte Vorteile:

  • Bessere Farberhaltung: Infrarot-getrocknete Lebensmittel behalten oft eine leuchtendere Farbe. Tomaten bleiben tiefrot, Kräuter sattgrün. Das liegt daran, dass die schonendere Trocknung weniger Oxidation verursacht.
  • Schnellere Trocknung bei dicken Stücken: Wenn du häufig ganze Tomaten, dicke Obstscheiben oder großes Jerky trocknest, spart Infrarot 15–25 % Zeit.
  • Weniger Nährstoffverlust: Studien zeigen, dass bei bestimmten Vitaminen weniger verloren geht. Allerdings ist der Unterschied zu einem guten Heißluft-Gerät mit präziser Temperatursteuerung gering.
  • Leiserer Betrieb: Reine Infrarot-Geräte kommen ohne Ventilator aus und sind daher nahezu geräuschlos. Kombi-Geräte haben aber trotzdem einen Ventilator und sind ähnlich laut wie Heißluft-Geräte.

Die Nachteile und Grenzen

  • Hoher Preis: Infrarot-Dörrautomaten kosten oft das Doppelte eines vergleichbaren Heißluft-Geräts. Für den Preis eines mittleren Infrarot-Geräts bekommst du einen erstklassigen Rommelsbacher DA 900.
  • Kleinere Auswahl: Es gibt deutlich weniger Infrarot-Geräte auf dem Markt. Die Auswahl an Heißluft-Dörrautomaten ist riesig — vom Budget-Gerät bis zum Profi-Dörrer.
  • Geringer Vorteil bei dünnen Scheiben: Bei 3 mm Apfelringen — dem Standardmaß für die meisten Dörrer — bringt Infrarot keinen messbaren Vorteil gegenüber guter Heißluft.
  • Weniger Erfahrungsberichte: Heißluft-Geräte werden seit Jahrzehnten getestet und verbessert. Bei Infrarot gibt es weniger Langzeiterfahrungen.
  • Ersatzteil-Probleme: Infrarot-Strahler sind teurer zu ersetzen als Heizwendeln. Wenn das Infrarot-Element nach ein paar Jahren ausfällt, kann die Reparatur teuer werden.

Für wen lohnt sich ein Infrarot Dörrautomat?

Ein Infrarot-Gerät lohnt sich meiner Einschätzung nach nur für:

  • Rohkost-Profis: Wer auf maximale Nährstofferhaltung Wert legt und bereit ist, dafür mehr zu investieren. Allerdings bieten auch der Excalibur und der Wartmann exzellente Rohkost-Ergebnisse ohne Infrarot.
  • Gewerbliche Nutzer: Wer professionell trocknet und die Zeitersparnis bei großen Mengen rechnen kann.
  • Technik-Enthusiasten: Wer das Neueste haben will und das Budget hat.

Für alle anderen — und das sind 95 % der Hobby-Dörrer — empfehle ich einen guten Heißluft-Dörrautomat. Das Geld, das du bei einem Infrarot-Gerät sparst, investierst du besser in gutes Obst und Gemüse.

Bessere Alternativen für die meisten Nutzer

Statt eines Infrarot-Dörrautomaten empfehle ich:

  • Rommelsbacher DA 900: Mein Testsieger — erstklassige Heißluft-Trocknung zum fairen Preis.
  • Excalibur 3926TB: Für Rohkost-Fans die bessere Wahl — Parallexx-Technologie statt Infrarot, bewährt seit 40 Jahren.
  • Wartmann WM-1912: Die europäische Rohkost-Alternative mit 10 Einschüben.
  • KLAMER Dörrautomat: Bestes Preis-Leistungs-Verhältnis für Einsteiger.

Mein Fazit zum Infrarot Dörrautomat

Infrarot-Technik ist interessant, aber kein Muss. Für 95 % der Hobby-Dörrer liefert ein guter Heißluft-Dörrautomat identische oder sogar bessere Ergebnisse — bei geringerem Preis und größerer Auswahl. Mein Rat: Investiere das gesparte Geld lieber in ein hochwertiges Heißluft-Gerät als in die Infrarot-Technologie.

Alle meine getesteten Geräte findest du im großen Dörrautomat Test 2026. Und wenn du allgemeine Tipps zum Kauf brauchst, hilft meine Kaufberatung weiter.

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Annas Tipp

Lass dich nicht von Marketing-Versprechen blenden. Die beste Trocknung kommt nicht von der teuersten Technik, sondern von gleichmäßiger Temperatur und gutem Luftstrom. Mein Rommelsbacher mit Heißluft schlägt die meisten Infrarot-Geräte — und kostet halb so viel.

👩‍🌾

Anna

Obstgarten-Besitzerin, Hundemama & Dörr-Enthusiastin

Ich habe mir die Infrarot-Technik genau angesehen und bin bei Heißluft geblieben. Hier erkläre ich dir ehrlich, warum — und für wen Infrarot trotzdem Sinn macht.

Mehr über mich →

Häufige Fragen zum Infrarot Dörrautomat

Ein Infrarot Dörrautomat verwendet Infrarotstrahlung statt oder zusätzlich zu Heißluft. Die Strahlen erwärmen das Dörrgut direkt, ähnlich wie Sonnenstrahlen. Das soll schonender sein, ist aber für die meisten Anwendungen kein Muss.

Nicht unbedingt. Für die meisten Anwendungen liefern Heißluft-Geräte wie der Rommelsbacher DA 900 genauso gute Ergebnisse — bei geringerem Preis. Mehr dazu in meinem Dörrautomat Test.

Für die meisten empfehle ich statt Infrarot einen hochwertigen Heißluft-Dörrautomat. Wer trotzdem Infrarot will, sollte auf Kombi-Geräte setzen. Meine Kaufberatung hilft bei der Entscheidung.

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